Protestaktion Münchner Aktivisten gegen die Firma Caterpillar

26. April 2005: München

Menschenrechte unter sich begraben

Protestaktion Münchner Aktivisten gegen die Firma Caterpillar

Die Firma Caterpillar stellt nicht nur mächtige fahrende Werkzeuge zur Verschiebung von Erdmassen beim Straßenbau, zum Komprimieren von Müllbergen und zum Ausheben von Baugruben her. Ihr Logo schmückt auch hippe Schuhe, Klamotten und Taschen im post-proletarischen Look. Und Caterpillar liefert die speziell modifizierten Bulldozer D9 und D10 an Israel, gepanzerte Ungeheuer, die bereits 12 000 palästinensische Häuser zerstört und dadurch Zehntausende obdachlos gemacht haben. Gelegentlich auch schafft es ein Bewohner nicht, sich rechtzeitig aus seinem Haus zu retten und wird unter den Trümmern und der gewaltigen Maschine begraben. Ähnlich erging es Rachel Corrie, der amerikanischen Friedensaktivistin vom International Solidarity Movement, die der Fahrer einer Caterkiller-Maschine sehenden Auges überrollte, als sie versuchte, die Zerstörung eines Hauses in Rafah durch ihre schlichte Präsenz zu verhindern.

 Die internationale Kampagne gegen Caterpillar hat den Jahrestag ihres Todes sowie die Jahreshauptversammlung der Caterpillar Inc. in Chicago zum Anlass genommen, ihre Bemühungen in diesen Tagen und Wochen zu intensivieren. Caterpillar soll, dem eigenen Kodex und den „UN-Normen für die Verantwortung transnationaler Konzerne im Hinblick auf die Menschenrechte“ entsprechend, den Verkauf von Maschinen einstellen, die eher Waffen gleichen und direkt in die Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen Internationales Recht in den besetzten palästinensischen Gebieten verwickelt sind.

Die Münchner Fachmesse für Wasser-Abwasser-Abfall-Recycling ist beileibe keine Waffenschau, und die properen Caterpillars, die hier durch die CAT-Vertretung Zeppelin gezeigt werden, haben kaum etwas gemein mit den unheilbringenden Geräten, die in der Westbank und Gaza nicht nur Häuser niederwalzen, sondern – im Rahmen des Kampfes gegen den Terror – auch Olivenhaine, Kläranlagen oder Straßen verwüsten und unbrauchbar machen. Auch die Herstellung der D9 und D10 Bulldozer findet nicht in Deutschland statt. Darauf redete sich ein Vertreter des Ausstellungsstandes von ZepellinCAT heraus, als er mit den drei Aktivisten ins Gespräch kam, die sich am Dienstag mit Flugblättern und Plakaten „Caterrorpillar zerstört Palästina“ einfanden.

 Ein anderer Firmen-Vertreter gab immerhin zu, dass er es erfreulich fände, wenn „Leute den Finger auf die Wunde legten“. Messebesucher und Kunden reagierten eher verhalten, verlegen, vielleicht überfordert angesichts des plötzlich in ihre Welt der glatten technischen Lösungen einbrechenden „unsachlich“ Politischen. Lediglich zwei Spanierinnen suchten das Gespräch, verstanden sofort die Verbindung CAT-Palästina – und bedankten sich für die Aktion. Die Flugblätter gingen rasch weg, und die Leute von ZepellinCat ließen die Aktivisten erstaunlich lange gewähren, bis sie dann doch die Messeleitung alarmierten, die in Gestalt eines erregten Herren und eines Securitys auf den Plan traten. „So was“ sei laut Hausordnung untersagt, also Hausfriedensbruch, Filmen sowieso nicht erlaubt (was einer der Aktivisten getan hatte). Löschen der Kassette, Personalienfeststellung, Polizei, Hinausbegleitung und fürs erste Hausverbot. Messeleitung und CAT behalten sich vor, Anzeigen zu erstatten.

Infos über die Kampagne:
www.catdestroyshomes.org
www.icahd.org
www.jewishvoiceforpeace.org

Menschenrechte unter sich begraben – Flugblatt deutsch
Burying Human Rights – Flugblatt englisch

Sophia Deeg, 26.4.2005