Kein Auftritt der Schaubühne beim Israel-Festival 2011

Samstag, 21. Mai 2011 in Berlin

Mit der Teilnahme der Schaubühne Berlin am Israel-Festival 2011 in Jerusalem wird die Politik der israelischen Regierung von Apartheid, Kolonisierung und Besatzung gegen die einheimische palästinensische Bevölkerung unterstützt. Das ist das Signal, dass die Schaubühne sowohl gegenüber der palästinensischen, israelischen als auch gegenüber der internationalen Öffentlichkeit aussendet. Dagegen protestierten Mitglieder verschiedener Gruppen und Organisationen sowie zahlreiche Einzelpersonen vor der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin.

Kurzer Bericht über die Kundgebung vor der Schaubühne Berlin

Short report about the rally in front of the Schaubühne Berlin

Schaubühne am Lehniner Platz
Kurfürstendamm 153
10709 Berlin

Berlin, 2. Mai 2011


Etwas ist faul im Apartheidstaate Israel – Offener Brief an die Schaubühne
Keine Inszenierung für den Apartheidstaat!

Sehr geehrter Herr Ostermeier,
sehr geehrter Herr Dr. Barner,
sehr geehrter Herr Veit,
sehr geehrte Damen und Herren,

nach unserem gemeinsamen Gespräch am 31. März 2011 fordern wir Sie hiermit auf, Ihre Teilnahme mit der Inszenierung „Hamlet“ zum 50. Geburtstag des Israel-Festivals in Jerusalem vom 3.-4. Juni 2011 abzusagen.

Mit Ihrer Teilnahme an diesem Propaganda-Ereignis der israelischen Regierung (1) unterstützen Sie faktisch die israelische Politik von Apartheid, Kolonisierung und Besatzung gegen die einheimische palästinensische Bevölkerung.(2)
Das ist das Signal, dass Sie sowohl gegenüber der palästinensischen, israelischen als auch gegenüber der internationalen Öffentlichkeit aussenden.

Wie mittlerweile in allen internationalen Medien berichtet, nutzt die israelische Regierung jede internationale Aufführung dafür, eine Fassade der Normalität vorzutäuschen und über ihre fortwährenden Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen internationalen Rechts hinwegzutäuschen. Mit Ihrem Auftritt in Jerusalem werden Sie zu einem Teil dieser Politik.(3)

Die Stadtverwaltung von Jerusalem, die seit 1982 im besonderen Maße für das Israel-Festival verantwortlich zeichnet, ist Teil der Besatzungsmacht, damit auch Teil von deren Politik. Im Bericht des Office for the Coordination of Humanitarian Affairs in occupied Palestinian Territory / Special Focus East Jerusalem vom 23. März 2011 heißt es, daß die restriktive Politik der Besatzungsmacht langfristig die Präsenz der einheimischen palästinensischen Bevölkerung unterminiert.(4)

Ihre geplanten Besuche beim Freedom Theatre (5)in Jenin und beim Al Kasaba Theater(6)in Ramallah macht Ihre Inszenierung beim Israel- Festival nicht ungeschehen. Vielmehr zeigt sie, dass Sie in Unkenntnis darüber sind, dass Sie dort nicht willkommen sind, falls Sie sich von der israelischen Kulturpolitik instrumentalisieren lassen.

In Ihrer Beschreibung des ‚Hamlet’ führen Sie aus (…)(7)“Im Paradox des handlungsunfähigen Handlungsträgers bietet Shakespeares »Hamlet« eine bis heute gültige Analyse des intellektuellen Dilemmas zwischen komplexem Denken und politischer Betätigung. In Ostermeiers Inszenierung werden die bis zu 20 Figuren von nur sechs Schauspielern gespielt, die konstant die Rollen wechseln. Der fortschreitende Realitätsverlust Hamlets, seine Desorientierung, die Manipulation von Wirklichkeit und Identität finden so ihre Entsprechung in einer Spielweise, die die Strategie der Verstellung zum Grundprinzip erhebt (…)

Aber Sie sind nicht Hamlet: als Verantwortliche der Berliner Schaubühne sind Sie ebenso wie Ihre Schauspieler_innen nicht im Paradox handlungsunfähiger Handlungsträger gefangen.

Die Auflösung des intellektuellen Dilemmas zwischen komplexem Denken und politischer Betätigung ist kein unüberbrückbarer Widerspruch.

Im Gegensatz zu Hamlet haben Sie eine Wahl: Auf der eine Seite können Sie sich über alle systematischen Menschenrechtsverletzungen des staatlichen Sponsors des Israel-Festivals hinwegsetzen und werden dadurch zum Werkzeug der israelischen Hasbara-Politik, also der israelischen Regierungspropaganda.

Auf der anderen Seite können Sie sich dafür entscheiden, dem Aufruf zu folgen, den die palästinensische Zivilgesellschaft mit über 170 Nichtregierungsorganisationen 2005 verfasst hat: Keine institutionellen Besuche in Israel, bis Israel sich an verbindliches Völkerrecht hält.

Immer mehr Künstler_innen und Intellektuelle sind diesen Weg bereits vor Ihnen gegangen, (z. B. Roger Waters (8)) mit einem klaren Bekenntnis für die universellen Menschenrechte, die Einhaltung internationalen Rechts und der offenen Solidarität mit dem Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu BDS aus dem Jahr 2005 (9)

Berlin Academic Boycott
BDS Gruppe Berlin
Kritische Juden und Israelis
Kontakt: bdsmovement@web.de

Dieser Offene Brief wird von folgenden Organisationen und Einzelpersonen unterstützt

Erstunterzeichner_innen

AK Nahost Berlin, AK Nahost Hagen, The Alternative Information Center, Arbeiterfotografie Bundesverband, Berliner Bündnis für Gaza, Collectif Judéo-arabe et citoyen pour la paix, Coordination de l’Appel de Strasbourg pour une Paix juste au Proche Orient, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. (DPG), FRAUEN IN SCHWARZ, München, Frauen in Schwarz, Wien, Jews for Boycotting Israeli Goods, UK (J-BIG), Kritische Jüdische Stimme, Österreich, Mütter gegen den Krieg Berlin-Brandenburg, Nahostkomitee in der Berliner Friedenskoordination (FRIKO)

Anna Baltzer (author, organizer, and human rights activist), Friedemann Binder (Rechberghausen), Adi Dagan (Israel), Joseph Dana (Tel Aviv),Sophia Deeg (Berlin), Anneliese Fikentscher, Sylvia Finzi (Künstlerin, Mitglied Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.), Prof. Rachel Giora (Israel), Neta Golan, Shir Hever (Israeli citizen, Jerusalem), Suraya Hoffmann (Bergheim), Dieter Kaltenhäuser (Breisach), Elisabeth Kaltenhäuser (Breisach), Yael Kahn (London), Claudia Karas, Dr. Manfred Lotze (IPPNW, Hamburg), Dorothy Naor (Israeli, Herzliah), Ofer Neiman (Israeli citizen, Jerusalem), Andreas Neumann, David Nir (Israeli citizen, Tel Aviv), Prof. Dr. Fanny-Michaela Reisin (Assoziation Freunde und Freundinnen des Jeniner Freedom Theatre in Deutschland (FFJFT), Ellen Rohlfs ( Leer, Mitglied von Gush Shalom), Prof. Dr. Werner Ruf, Angelika Schneider, Angelica Seyfrid (Berlin), Hanja Van Dyck, Naomi Wimborne-Idrissi (London)

Weitere Unterzeichner_innen

Aachener Friedenspreis e.V., Palästinakomitee Stuttgart

Erhard Arendt (Das Palästina Portal, Dortmund), Galit Altshuler (Mitglied Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.) , Hartmut Barth-Engelbart ( Schriftsteller, Liedermacher, Grafiker, Kabarettist, Gründau), Kelvin Bland (Royal Institute of British Architects), Dr. Annelise Butterweck ( Bergisch Gladbach), Elias (Elisha) Davidsson (Komponist, Alfter bei Bonn), Ruth Fruchtman (Mitglied Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.), Evelyn Hecht-Galinski (Publizistin, Malsburg-Marzell) , Prof. Dr. Krystina Kauffmann, Schwielowsee, Wolfgang Kuhlmann (FriedensTreiberAgentur, FTA), Prof. Dr. Georg Meggle (Universität Leipzig, Institut für Philosophie), Norman Paech, Helmut Penschinski (Wuppertal), Tal Shapira (boycott from within, Israel), Thomas Immanuel Steinberg (Hamburg), Willy H. Wahl (Zürich), Samy Yildirim, Niederlande

(1) Sponsoren /Kooperation Israel-Festival
(2) International Convention on the Suppression and Punishment of the Crime of Apartheid
(3) Yuval Ben Ami „About face “ Haaretz, 20.09.2005
Nathaniel Popper „Israel Aims To Improve Its Public Image , FORWARD, The Jewish Daily 14. 10. 2005
Eitan Bronner “After Gaza, Israel Grapples with Crisis of Isolation” NYT, 18. 03.2009
Ben White “ Behind Brand Israel: Israel’s recent propaganda efforts“, The Electronic Intifada, 23.02.2010
(4) UNITED NATIONS Office for the Coordination of Humanitarian Affairs occupied Palestinian territory
(5) The Freedom Theatre
(6) Al Kasaba Theater
(7) Die Schaubühne
(8) Roger Waters /
Palestinian Filmmakers, Artists and Cultural Workers Call for a Cultural Boycott of Israel
(9) Aufruf der palästinensischen Zivilgesellschaft zu BDS

English translation of the letter:
No staging for the Apartheid state!

siehe auch Kritische Juden und Israelis
Offener Brief an die Schaubühne – unterhalten Sie nicht die Besatzungsmacht!

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