Gaza? Gaza! – Sonderausgabe Palästina-Info April 2017


Sonderausgabe Palästina-Info April 2017

u.a.mit folgenden Beiträgen:

  • Unsere Weigerung zu sterben
  • Überleben heisst auch Leben
  • Eine unerträgliche Lage
  • An-Nakba (die Katastrophe):
    Gaza wird zum Flüchtlingslager
  • Schwieriges politisches Umfeld
    für Selbstbestimmung
  • Tüfteln an einer eingemauerten Welt

 


Editorial

Heute fallen keine Bomben auf Gaza. Oder doch? Zumindest wird ein nächster bewaffneter Konflikt in israelischen Medien als unvermeidbar beschrieben. Aber auch wenn gerade kein Krieg tobt, beklemmend ist die Lage im Gazastreifen allemal.

Beklemmung spricht auch aus den Antworten der Menschen bei uns, die wir gefragt haben, was ihnen zum Gazastreifen einfällt: Konflikt, Gefängnis, Krieg, kaputte Häuser, Trauer, Enge, Zerstörung, Wasserknappheit, Kinder mit Gewehren, Ungerechtigkeit. Aber auch fehlende Informationen, schlechtes Gewissen und die Unmöglichkeit, die komplexe Situation beurteilen und sich das Leben vor Ort vorstellen zu können.

Seit zehn Jahren ist der Gazastreifen abgeriegelt, drei Mal in dieser Zeit hat Israel das Gebiet angegriffen. Die Lage wird einhellig als katastrophal beschrieben. Und doch leben hier zwei Millionen Menschen, deren Rechte kaum mehr wahrgenommen, geschweige denn wirkungsvoll verteidigt werden. Sie wollen wir mit dieser Sondernummer ins Zentrum rücken.

Um zu rütteln am Überdruss und an der Gleichgültigkeit gegenüber einer humanitären Katastrophe, die sich aus politischem Kalkül in ihren einzelnen Etappen von Israel geplant und von internationalen BeobachterInnen gut dokumentiert vor unser aller Augen abspielt.

Wir wollen dazu einladen, sich in die Menschen dort hineinzuversetzen, die wie du und ich das Bedürfnis nach Bildung, Kultur, Gesundheit, gutem Essen, Geborgenheit und Schutz haben und die sich nicht vorschreiben lassen wollen, was sie zu denken haben. Menschen, die sich alles in allem nach einem normalen Leben sehnen, aber die Hoffnung darauf zunehmend verlieren.

Als geografische und politische Einheit ist der Gazastreifen ein Produkt kolonialer Intervention und ethnischer Säuberung. Was dem Gebiet wirtschaftlich, sozial und kulturell widerfährt, sehen manche als richtungweisend für das, was den PalästinenserInnen generell blüht: die Auslöschung als selbstbestimmte Gesellschaft.

Um diesem Prozess nicht tatenlos zuzusehen, soll auch an die dringlichsten Forderungen erinnert werden: die sofortige Aufhebung der Blockade; das Ende der Besatzung; das Ende der Diskriminierung der palästinensischen EinwohnerInnen in Israel; und das Recht auf Rückkehr der Flüchtlinge.

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft die palästinensische Zivilgesellschaft zu Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen Israel auf. Darin sehen auch wir die wirksamsten Mittel, um Israel zum Einlenken zu bringen (siehe www.bds-info.ch).

2017/18 jähren sich mehrere für die Region prägende Ereignisse: 100 Jahre Balfour-Deklaration, in der Großbritannien der zionistischen Bewegung Palästina als Heimstätte versprach; 70 Jahre Nakba, die Vertreibung von vier Fünftel der palästinensischen Bevölkerung im Zug der Staatsgründung Israels; 50 Jahre Besatzung im Westjordanland, Ostjerusalem, dem Gazastreifen und auf dem Golan; 10 Jahre verschärfte Blockade des Gazastreifens. Dazu werden in der Schweiz ab Mai verschiedene Veranstaltungen stattfinden, zu denen wir herzlich einladen.

Ist es uns gelungen, zum besseren Verständnis der Situation beizutragen und Ansatzpunkte aufzuzeigen, was geschehen müsste, um der Bevölkerung im Gazastreifen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen? Wir hoffen es und freuen uns auf Rückmeldungen (info@palaestina-info.ch).

Und natürlich auch auf finanzielle Unterstützung, um unsere Arbeit weiterführen zu können.
Die Redaktion

Vollständige Sonderausgabe Palästina-Info April 2017

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