BDS: Wahrung unserer Rechte, Widerstand gegen die andauernde Nakba

14. Mai 2017 – Der nationale palästinensische BDS-Ausschuss (BNC)

Der BNC erinnert an den 69. Jahrestag der palästinensischen Nakba

Die palästinensische Nakba, 1948

It is possible…
It is possible at least sometimes…
It is possible especially now
To ride a horse
Inside a prison cell
And run away…
It is possible for prison walls
To disappear.
For the cell to become a distant land
Without frontiers
Mahmoud Darwish

15.Mai 2017, Besetztes Palästina – Heute ist der 69. Jahrestag der Nakba von 1948, der Massenvertreibung von uns Palästinenser*innen aus unserer Heimat. Zwischen 1947 und 1949 machten zionistische Paramilitärs und später israelische Streitkräfte 750.000 bis zu einer Million einheimische Palästinenser*innen zu Flüchtlingen, um in Palästina einen Staat für mehrheitlich jüdische Menschen zu errichten.

Der nationale palästinensische BDS-Ausschuss (BNC) fordert weltweit Menschen, die nach ihrem Gewissen handeln, auf, die BDS-Kampagnen weiter zu intensivieren, um der Komplizenschaft bei Israels Politik der Besatzung, des Siedlerkolonialismus und der Apartheid im akademischen, kulturellen, sportlichen, militärischen und wirtschaftlichen Bereich ein Ende zu bereiten. Dies ist das wirksamste Mittel, um an der Seite des palästinensischen Volkes zu stehen und unsere ureigenen und von der UN festgelegten Rechte zu verfolgen und gewaltlos gegen die fortwährende und zunehmende Nakba Widerstand zu leisten.

Das israelische Regime verfolgt heute ungehemmt die eine ständige Strategie seines siedlerkolonialistischen Projekts – die gleichzeitige Plünderung und Besiedlung von so viel palästinensischem Land wie möglich und die schrittweise ethnische Säuberung von so vielen Palästinenser*innen wie machbar, ohne international mit Sanktionen belegt zu werden.

Die gegenwärtige rechtsextreme Regierung, die rassistischste in der Geschichte Israels, folgt wie alle vorangegangenen israelischen Regierungen den Worten des zionistischen Führers Ze’ev Jabotinsky, der 1923 schrieb:

Jedes Volk kämpft gegen die Kolonisation, solange es noch die geringste Hoffnung hat, sich von der Gefahr der Kolonisation zu befreien. […] Die zionistische Kolonisation muss man entweder einstellen oder sie gegen den Willen der einheimischen Bevölkerung weiterführen. Sie kann daher nur unter dem Schutze einer von der einheimischen Bevölkerung unabhängigen Macht – einer eisernen Wand –, die die einheimische Bevölkerung nicht durchbrechen kann, weitergeführt und entwickelt werden. [*]

Die Nakba ist, neunundsechzig Jahre nach der systematischen, vorsätzlichen Entwurzelung und Enteignung der meisten indigenen palästinensischen Araber*innen aus dem Land Palästina durch zionistische Banden und später durch den Staat Israel, nicht vorbei. Israel ist entschlossen seine „eiserne Wand“ in palästinensischen Köpfen, nicht nur auf unserem Land im besetzten palästinensischen Gebiet zu errichten durch seine ausgedehnten Siedlungen und konkreten Mauern, seine genozidale Belagerung von über 2 Millionen Palästinenser*innen in Gaza, der Verleugnung des Rückkehrrechts der palästinensischen Flüchtlinge, seine rassistischen Gesetze und seine rassistische Politik gegen die Palästinenser*innen in Israel und seine eskalierende ethnische Säuberung in Jerusalem, dem Jordan-Tal und dem Naqab (Negev). Israel ist in seinen unerbittlichen, verzweifelten Versuchen jedes Mittel recht, die Sinnlosigkeit des Widerstands und die Vergeblichkeit der Hoffnung in unser Bewusstsein einzubrennen.

Der gegenwärtige Hungerstreik von mehr  als tausend palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen und die Unterstützung an der Basis, die dadurch ausgelöst wurde, gibt uns Hoffnung.

Die wachsende Unterstützung von BDS durch internationale Gewerkschaften, darunter die jüngste Billigung eines „internationalen, wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Boykott Israels“ „ zur Durchsetzung der fundamentalen Rechte der Palästinenser*innen durch den norwegischen Gewerkschaftsverband (Landsorganisasjonen i Norge, LO), der mehr als 910 000 Arbeiter*innen vertritt, gibt uns Hoffnung.

Die Tatsache, dass keine/r der 26 Oscar-Kandidat*innen eine von der israelischen Regierung angebotene kostenlose Reise imWert $ 55.000 Dollar angenommen hat und dass sechs von elf Spielern der National Football League eine ähnliche Vergnügungsreise abgelehnt haben, gibt uns Hoffnung.

Die BDS-Bewegung hat es geschafft, den Preis für Mittäterschaft bei Israels Verbrechen gegen das palästinensische Volk deutlich zu erhöhen. Sie hat große Unternehmen wie Orange und Veolia gezwungen, ihre Mittäterschaft zu beenden und drängte den globalen Riesen-G4S dazu, sich vom israelischen  Markt zurückzuziehen. Kirchen, Stadtverwaltungen und Tausende von Menschen auf der ganzen Welt haben sich verpflichtet, Hewlett Packard (HP) für seine tiefgreifende Mittäterschaft bei Israels Besatzung und Apartheid zu boykottieren. Das gibt uns und vielen Menschenrechtskampagnen rund um die Welt große Hoffnung.

Die Entscheidung der Stadtverwaltung von Barcelona, ​​die Komplizenschaft mit Israels Besatzung zu beenden, wie die Entscheidung von dutzenden von spanischen Gemeinden, sich zu „Israeli Apartheid Free Zones“ zu erklären, geben uns Hoffnung.

Der Abzug von Investitionen aus israelische Banken oder beteiligter internationaler Konzerne durch einige der größten Hauptkirchen in den USA, einschließlich der United Methodist Church, der Presbyterian Church USA und der United Church of Christ, gibt uns Hoffnung.

Die Ausbreitung von bemerkenswert effektiven BDS-Kampagnen von Südafrika bis Südkorea, von Ägypten bis Chile und von Großbritannien bis in die USA gibt uns echte Hoffnung.

Die in vielen Ländern entstehenden wachsenden intersektionalen Koalitionen, die den Kampf für palästinensische Rechte mit den vielfältigen internationalen Kämpfen für ethnische, ökonomische Gerechtigkeit, für Geschlechtergerechtigkeit, für Klimagerechtigkeit , für indigene Gerechtigkeit natürlich verbinden, geben uns unbegrenzte Hoffnung.

1968, zwanzig Jahre nach der Nakba, aber ohne Bezug zu ihr, sagte Dr. Martin Luther King: „Es kann keine Gerechtigkeit ohne Frieden geben und keinen Frieden ohne Gerechtigkeit.“ Seit sieben Jahrzehnten und allen Widrigkeiten zum Trotz haben wir Palästinenser*innen beharrlich an unserem unveräußerlichen Recht auf Selbstbestimmung und auf echten Frieden festgehalten, beides kann nur aus Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit entspringen.

Um aber gerechten Frieden zu erreichen, müssen wir erkennen, dass wir unsere Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben mit unserer uneingeschränkten Verpflichtung, der Ungerechtigkeit, der Apathie und ihren „eisernen Wänden“ der Verzweiflung zu widerstehen, nähren müssen.

In diesem Zusammenhang ist die palästinensisch geführte, globale BDS-Bewegung mit ihrem beeindruckenden Wachstum und ihrer unbestreitbaren Wirkung heute ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Widerstands und die vielversprechendste Form der internationalen Solidarität mit unserem Kampf um Rechte.

Keine ihrer eisernen Wände kann die aufgehende Sonne unserer Befreiung unterdrücken oder überschatten.

 Der nationale palästinensische BDS-Ausschuss (BNC) ist die größte Koalition der palästinensischen Zivilgesellschaft. Er führt und unterstützt die weltweite BDS-Bewegung.
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Originaltext: BDS: Upholding our Rights, Resisting the Ongoing Nakba

Übersetzung: Redaktion www.bds-kampagne.de


Deutsche Übersetzungen einiger in der obigen Erklärung erwähnter Hinweise: