Israelische Bürger*innen an die Veranstalter des Pop-Kultur Festivals in Berlin: Bitte beenden Sie Ihre Partnerschaft mit der israelischen Botschaft

17. August 2017

An die Veranstalter des Pop-Kultur Festival in Berlin

Wir sind Bürger*innen Israels, die sich gegen die Politik unserer Regierung des Kolonialismus, der militärischen Besatzung und der Apartheid gegen das palästinensische Volk einsetzen [1]. Wir unterstützen den palästinensischen BDS-Aufruf (Boykott, Investitionsentzug und Sanktionen) gegen israelische Institutionen [2] und speziell den Aufruf, israelische akademische und kulturelle Institutionen zu boykottieren [3]. Wir unterstützen diese Kampagne, weil sie den universellen Prinzipien der Menschenrechte folgt, einschließlich der Opposition gegen jede Form von Rassismus.

Die vielen Künstler*innen, die ihre Teilnahme am Pop Kultur Festival zurückgezogen haben, haben uns auf die Partnerschaft der israelischen Botschaft bei diesem  Festival aufmerksam gemacht. Es kommt nicht oft vor, dass Künstler*innen auf die Möglichkeit verzichten, die ein Festival wie das Ihre ihnen bietet, und es ist unsere aufrichtige Hoffnung, dass Sie ihren und unseren Gedanken Gehör schenken und in dieser Angelegenheit in einen Dialog mit uns eintreten.

„Wir finden es äußerst zynisch, dass ein Kolonialstaat, der seit sieben Jahrzehnten zum Zweck der Bevölkerungskontrolle, systematische Diskriminierung gegen die indigene arabische Ethnie praktiziert und Geschlecht und sexuelle Orientierung innerhalb dieses Systems ausnutzt, versucht sich als Förderer der arabischen und feministischen Kultur  zu präsentieren. Wir sehen dies als einen Versuch, kritische Stimmen aus dem Nahen Osten zu instrumentalisieren, wie die von Mazzaj Rap Band-Syria oder Emel Mathlouthi, um die Besatzung von Palästina als normal darzustellen. Militärische Besatzung und Belagerung, Apartheid und Kolonialismus indes sind nicht normal. Es ist grundsätzlich angemessen, sich gegen Staaten, deren Einrichtungen und Institutionen zu wenden, die diese Verbrechen begehen und zu fordern, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden.“

Israel benutzt Kultur offen und aktiv als Teil seiner staatlichen Branding-Strategie [4]. Das israelische Außenministerium bestätigt ganz offen, dass es  jährlich Hunderte von Millionen Dollar ausgibt, um das Image Israels zu verbessern. „Brand Israel“ wurde vor einem Jahrzehnt konzipiert, um das beschädigte Image Israels nach Jahrzehnten der Besatzung, der Apartheid und der militärischen Angriffe aufzupolieren [5]. Ziel dieser  Strategie ist es, den Fokus der Konversation um Israel von seinem Militärregime und seinen Verbrechen auf seine angenommenen kulturellen oder Hightech-Errungenschaften oder, welch Ironie, auf seine Achtung der Menschenrechte zu verlagern. Dies trifft vor allem auf die Ausbeutung der Erfolge der LGBTQ * -Gesellschaft zu, die in Wirklichkeit erschreckende Rückschläge erleidet[6] [6], insbesondere im Hinblick auf die  Gesetzgebung, bei der Israel weit hinter den meisten europäischen Staaten herhinkt [7].

Es ist wichtig, insbesondere in Deutschland, das verstanden wird, dass die BDS-Kampagne eine Kampagne ist, die von der palästinensischen Zivilgesellschaft in Übereinstimmung mit allen ihren Bevölkerungsgruppen – in der Westbank, im Gazastreifen, in Israel und den palästinensischen Flüchtlingen weltweit – initiiert und konzipiert wurde.

Es sind diejenigen, die direkt von der israelischen Politik betroffen sind, die uns als Menschen, die ihrem Gewissen folgen, auffordern, Israel zu boykottieren.

Viele Jüdinnen und Juden, die ihrem Gewissen folgen, weltweit und einige von uns in Israel, unterstützen den Aufruf. In all den Jahren, in denen wir dafür eingetreten sind, wurde uns immer und immer wieder klar, dass Israel von ausländischen Mitteln und der Zustimmung für seine Politik abhängig ist, dass daher der Abzug von ausländischen Investitionen und die Missbilligung seiner Politik der einzige Weg ist, Israel dazu zu bringen, sich an Völkerrecht und die Prinzipien der Menschenrechte zu halten.

Aus all diesen Gründen bitten wir Sie, Ihre Partnerschaft mit der israelischen Botschaft zu beenden.

In Erwartung Ihrer Antwort grüßen wir Sie hochachtungsvoll

BOYCOTT! Supporting the Palestinian BDS Call from Within

 

http://boycottisrael.info/

 

[1] http://www.boycottisrael.info/
[2] http://www.bdsmovement.net/call
[3] http://www.pacbi.org/etemplate.php?id=1047
[4] https://pulsemedia.org/2010/08/23/we%E2%80%99ll-take-over-the-world-ministry-of-foreign-affairs-allocates-100-million-shekel-for-state-branding/
[5] https://electronicintifada.net/content/behind-brand-israel-israels-recent-propaganda-efforts/8694
[6] https://972mag.com/homophobia-rears-its-ugly-head-in-pride-month-in-israel/120745/
https://972mag.com/no-more-waiting-lgbtq-israelis-must-take-the-rights-they-deserve/128735/
[7] http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:e1ZXn9oogI4J:www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.672505+&cd=7&hl=en&ct=clnk&gl=ps

Original:From Israeli citizens to the organizers of Pop-Kultur Berlin Festival, please end your partnership with the Israeli Embassy

Übersetzung: BDS-Kampagne