Palästinensische Künstler*innen und Rundfunkjournalist*innen fordern Boykott des Eurovision Song Contest 2019!

Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI)

Israels Regime der militärischen Besatzung, des Siedler-Kolonialismus und der Apartheid nutzt schamlos den Eurovision Song Contest als Teil seiner offiziellen Brand Israel Strategie.

12. Juni 2018

Wir, der unterzeichnende palästinensische Journalist*innen-Verband und das Netzwerk palästinensischer Kulturorganisationen, rufen die Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion (EBU), Teilnehmerstaaten, Kandidat*innen und die breite Öffentlichkeit dazu auf, den Eurovision Song Contest 2019, der in Israel ausgetragen werden wird, zu boykottieren. Hätte der Eurovision den Wettbewerb auch im Südafrika zu Zeiten der Apartheid ausgetragen?

Israels System der militärischen Besatzung, des Siedlerkolonialismus und der Apartheid benutzt den Eurovision schamlos als Teil seiner offiziellen „Brand-Israel“-Strategie, die versucht, “Israels schöneres Gesicht” zu zeigen, um von seinen Kriegsverbrechen gegen Palästinenser*innen abzulenken.

Seit dem 30. März 2018 haben israelische Scharfschützen eine “Shoot-to-kill-or-maim” („schießen um zu töten oder um Menschen zu Krüppeln machen”)-Politik umgesetzt, bei der mehr als 117 unbewaffnete palästinensische Demonstrant*innen getötet wurden, unter ihnen 13 Kinder. Mehr als 13.000 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen bleiben mit Behinderungen zurück, die ihr Leben für immer verändern und einschränken werden.

Allein am 14. Mai, nur zwei Tage nach seinem Eurovision-Sieg, hat Israel 62 Palästinenser*innen in Gaza massakriert, darunter sechs Kinder. Noch am selben Abend gab Netta Barzilai, Israels Repräsentantin beim Eurovision Song Contest 2018, ein Festkonzert in Tel Aviv, das vom Bürgermeister veranstaltet wurde. Er sagte: “Wir haben allen Grund, glücklich zu sein.”

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat Barzilai als “die beste Botschafterin Israels” bezeichnet und unterstrich damit die art-washing Agenda seiner rechtsextremen Regierung.

Was noch schwerer wiegt ist Israels Ankündigung, das Mega-Ereignis in Jerusalem stattfinden lassen zu wollen. Dies ist eine Missachtung der Vereinten Nationen, die die Souveränität Israels über Jerusalem – egal über welchen Teil der Stadt – nicht anerkennt. Die UNO und die Europäische Union betrachten Ost-Jerusalem zudem als integralen Bestandteil des besetzten palästinensischen Gebietes, das Israel illegal annektiert hat.

Aber unabhängig vom Austragungsort, ob in Jerusalem, Tel Aviv oder anderswo unter der Kontrolle des israelischen Apartheid-Regimes: Dieser Wettbewerb muss boykottiert werden, um eine Komplizenschaft und business-as-usual mit diesem Regime zu vermeiden und um zu verhindern, dass das Ansehen der Eurovision irreversibel durch Israels ungeheurere Menschenrechtsbilanz in Mitleidenschaft gezogen wird.

Rechtschaffene Menschen auf der ganzen Welt kommen zu dem gleichen Schluss, und wir sind ermutigt durch ihre Solidarität.

In Island unterzeichneten fast 8% der Bevölkerung eine Petition zum Boykott der Eurovision 2019. Der israelische Konsul in Island drängte zur Schadensbegrenzung.

In Irland forderten der ehemalige Eurovisionssieger Charlie McGettigan, der Bürgermeister von Dublin, Politiker*innen und Gewerkschaftsführer*innen einen Boykott der Eurovision 2019. Ähnliche Aufrufe gingen von Großbritannien, Schweden, Malta, Australien und Spanien aus. Die öffentliche Unzufriedenheit darüber, dass Israel trotz schwerster Menschenrechtsverletzungen nächster Austragungsort des Wettbewerbes werden soll, nimmt in ganz Europa zu.

Als Organisationen und Gewerkschaften, die palästinensische Künstler *innen und Journalist*innen, einschließlich Rundfunkjournalist*innen, vertreten, fordern wir

  • dass Mitglieder der EBU (Europäische Rundfunkunion) und die Kandidat*innen den Eurovision 2019 boykottieren, solange Israel ihn ausrichtet
  •  dass Basisbewegungen und Künstler*innenverbände in den teilnehmenden Ländern gegen Israels Ausrichtung der Eurovision 2019 protestieren und friedliche Boykottaktionen durchführen.
  • dass unsere Kolleg*innen, Künstler*innen und Rundfunkjournalist*innen diesen Aufruf öffentlich unterstützen und verbreiten.

Wie im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika wird Israel nur durch wirksamen und anhaltenden internationalen Druck gezwungen sein, seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachzukommen und die Menschenrechte der Palästinenser*innen zu achten.

Unterzeichnet von

Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel (PACBI)
Palestinian Journalists Syndicate
Palestinian Performing Arts Network (PPAN):

Edward Said National Conservatory of Music– Jerusalem
Al-Kamandjati Association – Ramallah
Magnificat Institute – Jerusalem
Popular Art Centre – Al Bireh
El-Funoun Palestinian Dance Troupe – Al Bireh
Wishah Troupe – Al Bireh
Freedom Theater – Jenin
Theatre Day Productions – Gaza/Jerusalem
Al Harah Theater – Beit Jala
Ashtar Theater – Ramallah
Yes Theatre – Hebron
The Popular Theatre – Ramallah
Palestinian Circus School – Birzeit

Jerusalem Arts Network “Shafaq”:

Al-Ma’mal Foundation for Contemporary Art
The Edward Said National Conservatory of Music
Palestinian Art Court-Al Hoash
Palestinian National Theatre
Yabous Cultural Centre

Original: Palestinian artists and broadcast journalists: Boycott Eurovision 2019!
Übersetzung: Redaktion BDS-Kampagne.de

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