Ruhrtriennale – Die Geschichte einer Diffamierungskampagne

Als Anfang Juni diesen Jahres bekannt wird, dass die schottische Band Young Fathers Mitte August bei der Ruhrtriennale auftreten wird, läßt eine Diffamierungskampagne gegen die Musiker nicht lange auf sich warten. In Deutschland reicht es aus, dass die Young Fathers die für den Friedensnobelpreis nominierte, gewaltfreie und antirassistische BDS-Menschenrechtsbewegung unterstützen, um als antisemitisch diffamiert zu werden – dabei scheinen sich Ruhrbarone, Blog für Journalisten, und Malca Goldstein-Wolf, Social-Media-Aktivistin, gegenseitig zu beflügeln.

Das Management der Ruhrtriennale reagiert schnell! Auf ihrer Facebook-Seite geben sie am 7. Juni bekannt, dass sie sich ausdrücklich von der BDS-Kampagne und deren direkten und indirekten Zielen distanzieren. Im gleichen Atemzug tritt die Ruhrtriennale an die Young Fathers heran, um von der Band eine unmissverständliche Distanzierung von BDS und von jedweder Form von Antisemitismus und Rassismus zu erhalten!

Diese McCarthy-mäßige Gesinnungsüberprüfung muss von allen, denen die freie Meinungsäußerung wichtig ist, abgelehnt werden!

Am 12. Juni sagt die Ruhrtriennale das Konzert der Young Fathers ab. Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp:

„Bedauerlicherweise haben sich die Young Fathers nicht von BDS distanziert …“

Diese Entscheidung wird in der internationalen Öffentlichkeit mit Unverständnis und Bestürzung aufgenommen und führte zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen kulturschaffender Menschen.

Die Young Fathers selbst äußern sich in einem Statement folgendermaßen:

„Leider werden die Young Fathers dieses Jahr nicht beim Ruhrtrienalle-Festival auftreten. Die Organisatoren haben beschlossen, unsere Show abzusagen, da wir uns gegen die schweren Menschenrechtsverletzungen der derzeitigen israelischen Regierung verwahren und die gewaltfreie und antirassistische BDS-Menschenrechtsbewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) unterstützen.

“Wir halten es für eine falsche und zutiefst unfaire Entscheidung des Festivals, diese Haltung einzunehmen und uns aufzufordern, uns von unseren Menschenrechtsgrundsätzen zu distanzieren, damit der Auftritt stattfinden kann…”

Die Palästinensische Kampagne für den akademischen und kulturellen Boykott Israels (PACBI) schreibt:

“Die Gleichsetzung der Opposition gegen israelische Kriegsverbrechen – einschließlich illegaler Siedlungen, Belagerung und ethnischer Säuberungen – mit antijüdischem Fanatismus ist eine Form der anti-palästinensischen Unterdrückung und des antiarabischen Rassismus, der die Kritiker*innen Israels zum Schweigen bringen soll. Auch den anhaltenden Kämpfen gegen echten antijüdischen Rassismus, wie progressive jüdische Gruppen in Europa und den USA oft argumentiert haben, erweist sie einen schlechten Dienst.”

und ruft zum Boykott der Ruhrtriennale auf.

Aus Protest gegen den Ausschluss von Young Fathers und in Solidarität mit ihnen sagen daraufhin folgende Künstler*innen ihren geplanten Auftritt bei Ruhrtriennale ab: Sharif Sehnaoui, Raed Yassin, tonyelieh, mazenkerbaj und HassanKhan.

(Stellungnahme auf Deutsch)

Zahlreiche weitere Kulturschaffende solidarisieren sich unter dem hashtag #SupportYoungFathers mit der schottischen Band.

 #SupportYoungFathers: Die Zensur gegen BDS ist Teil des Rechtsrucks überschreiben die Autoren ihren Artikelin in Klasse gegen Klasse

Die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. ruft in ihrem Statement  Ruhrtriennale Festival against Human Rights Defendersdie Künstler*inne dazu auf, ihre Teilnahme an dem Festival zu überdenken und sich mit den Young Fathers zu solidarisieren.

Am 21. Juni erklärt die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp überraschend folgendes:

“Nach dem Eindruck vieler Gespräche und Reflexionen der letzten Tage möchte ich meine Haltung korrigieren: Ich möchte die Young Fathers erneut zu dem Konzert in Bochum am 18. August 2018 einladen, obwohl ich ihre Haltung zum BDS nicht teile.”

 

Und schon werden Rücktrittsforderungen gegen Carp laut, soll ein weiteres Exempel statuiert werden: Wer sich in Deutschland nicht auf die Seite der israelischen Politik im Sinne der Herrschenden stellt, dessen Ansehen und berufliche Existenz wird angegriffen. Die Intrumentalisierung des Antisemitismus für politische Zwecke und damit die Verwässerung der Verbrechen, für die Antisemitismus das Synonym ist, findet dabei ohne Risiko statt.

Nicht ganz … Roger Waters geht juristisch gegen den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter vor!


update Ruhrtriennale:

26.06.2018: Ruhrtriennale: Prominente verurteilen anti-palästinensische Repression und Zensur in Deutschland

26.06.2018: Jüdische Stimme begrüßt die Wiedereinladung der Band Young Fathers

25.06.2018: Stefanie Carp, Intendantin Ruhrtriennale, im Interview

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