Palästinenser*innen werden zum Ziel von «Corona-Rassismus» – zusätzlich zur jahrzehntelangen Unterdrückung.

«Epidemien … sind unverhältnismässig brutal gegenüber Bevölkerungsgruppen, die unter Armut, militärischer Besatzung, Diskriminierung und institutionalisierter Unterdrückung leiden.»

— Brief in The Lancet, 26. März 2020

Die Coronakrise offenbart weltweit einen tiefgreifenden Rassismus. Wegen der systemischen Diskriminierung sterben schwarze Amerikaner*innen unverhältnismässig häufig am Coronavirus, und im Vereinigten Königreich machen People of Colour ein Drittel der kritisch kranken Coronavirus-Patient*innen aus. Die Regierungen verweigern vielen indigenen Gemeinschaften grundlegende Infrastruktur wie fliessendes Wasser, die zur Bekämpfung des Virus notwendig sind. Für Millionen von indischen Wanderarbeiter*innen, die nach der Ankündigung der vollständigen Abriegelung aus Grossstädten zu Fuss nach Hause gingen, wie auch für Familien, die in dichten Slums des globalen Südens leben, ist Isolation ein unmögliches Privileg, und Armut und Ernährungsunsicherheit stellen eine ebenso grosse Gefahr dar wie die Krankheit selbst. Rassismus gegen Menschen, die als Chines*innen wahrgenommen werden, hat in Indien, Europa und den USA drastisch zugenommen.

Auch Palästinenser*innen, die unter israelischer Besatzung und Apartheid leben, sind besonders verletzlich. Das siedlungskoloniale Regime Israels hat ihre Gesundheitssysteme systematisch zerstört und die palästinensische Bevölkerung anfälliger für Pandemien gemacht. Nach 13 Jahren israelischer Belagerung stehen in Gaza den zwei Millionen Einwohner*innen nur noch 63 Beatmungsgeräte und 78 Intensivbetten zur Verfügung.

#CoronaRacism

Israels Antwort auf das Coronavirus zeigt den massiven Corona-Rassismus:

  • Israel hat es zunächst versäumt, die Leitlinien und Informationen zum Coronavirus in arabischer Sprache zu veröffentlichen.
  • Palästinensische Gemeinden in Israel werden «wahrscheinlich zu Epizentren des Corona-Ausbruchs», da es an Tests, Informationen und Gesundheitsdiensten mangelt.
  • Die israelischen Gefängnisbehörden haben die rund 5000 palästinensischen politischen Gefangenen nicht angemessen vor der Gefahr eines Corona-Ausbruchs geschützt.
  • Israelische Soldat*innen setzten zahlreiche palästinensische Gefangene und Arbeiter*innen mit Coronasymptomen an israelischen Kontrollpunkten im besetzten palästinensischen Gebiet aus – ohne medizinische Versorgung.
  • Israel zerstörte eine Klinik für eine stark gefährdete palästinensische Gemeinde im Jordantal.
  • Der israelische Staat stellt bei der Einfuhr von medizinischen Hilfsgütern zur Bekämpfung des Coronavirus im Gazastreifen Konditionen und erzwingt so politische Zugeständnisse der palästinensischen Seite. Dies stellt eine eklatante Verletzung des humanitären Völkerrechts dar.

Während die Palästinenser*innen trotz des israelischen Corona-Rassismus die Pandemie einzudämmen versuchen und bekämpfen, fährt der israelische Staat fort, die palästinensischen Menschenrechte zu verletzen:

  • Die israelische Besatzungsarmee plündert und zerstört weiterhin palästinensische Häuser und lässt Angriffe fanatischer Siedler*innen zu.
  • Israelische Soldat*innen haben im März und Anfang April drei palästinensische Jugendliche im Westjordanland getötet.
  • Israel setzt den Bau illegaler Siedlungen im besetzten palästinensischen Gebiet, einschliesslich Ost-Jerusalems, fort.

Boykott-, Desinvestitions- und Sanktionskampagnen (BDS), die Israel unter Druck setzen, die Rechte der Palästinenser*innen zu respektieren, sind wichtiger denn je. Lasst uns die Fesseln der Komplizenschaft abstreifen und solidarische Bande knüpfen!