LGBTQIA+

Palästina ist ein queeres Thema

Einzelne Menschenrechte und bürgerliche Freiheiten dürfen weder gegenüber anderen priorisiert noch fragmentiert werden.

Der Kampf für die Befreiung Palästinas ist intersektional; er ist transformativ, effektiv und erfordert die volle Unterstützung der globalen queeren Gemeinschaft.

Palästinensische queere Personen und Angehörige der LGBTQIA+ Gemeinschaft gehören zu den am stärksten diskriminierten Minderheiten der Welt und sind auf mehreren Ebenen mit Unterdrückung konfrontiert: als Palästinenser_Innen, die unter israelischer Apartheid, Kolonialismus und Besatzung leben; als Frauen und Trans-Menschen in sexistischen, gewalttätigen und von Militarismus geprägten Gesellschaften; und als queere Menschen in einem Kontext von Pinkwashing (1) und Homophobie.

Während des Pride-Monats feiern queere und LGBTQIA+ Menschen auf der ganzen Welt Pride-Events und Märsche, während queere Palästinenser_Innen in einem Zustand des Grauens leben.

Die israelische Apartheid sät Angst und Chaos unter den Palästinenser_Innen, indem sie exzessive Gewalt und tödliche Waffen wie Tränengaskanister, Betäubungsgranaten und Gummigeschosse gegen die an friedlichen Demonstrationen teilnehmenden Palästinenser_Innen einsetzt.

Unverhältnismäßige Maßnahmen wie brutale und willkürliche Verhaftungen von palästinensischen Jugendlichen, einschließlich Kindern, werden eingesetzt. Am beschämendsten ist, dass die militarisierte israelische Apartheidpolizei bewaffnete israelische Menschenmassen der extremen Rechten auf palästinensische Städte wie Jerusalem, Akko, Haifa, Lod und Yaffa loslässt, die dort durch die Straßen ziehen und “Tod den Arabern” skandieren, während sie Palästinenser_Innen, sowie deren Häuser und Eigentum angreifen. Selbst Palästinenser_innen in Israel fühlen sich weder in ihren Häusern noch auf den Straßen sicher.

Warum protestieren die Palästinenser_Innen? Israels wahllose Bombardierung von Zivilisten im belagerten Gazastreifen, die Gewalt der Siedler und die fortschreitende ethnische Säuberung in Jerusalem und in anderen Teilen des historischen Palästina. Die palästinensische Nakba dauert an, und das kollektive Trauma wird persönlich.

Aber der Kampf, den wir heute gemeinsam kämpfen, belebt Palästina neu, macht die Gegenwart historisch und fordert das 73 Jahre alte israelische Unterdrückungssystem heraus, welches darauf abzielt, unsere Befreiungsbemühungen zu spalten und zu zersplittern. Heute stehen wir tapfer hinter unserem Widerstand: Er erstreckt sich von den Dörfern und Städten von 1948 bis nach Ost-Jerusalem, in den belagerten Gazastreifen, in das Westjordanland, zu den Geflüchteten und in die Diaspora. Wir stellen uns gegen die israelische Unterdrückungsmaschinerie und ihre Sponsoren, und wir versprechen, dass unser Volkswiderstand solange die Unterdrückung andauert weitergehen und sich auf das gesamte historische Palästina ausdehnen wird. Retour ligne automatique
Warum? Weil es brutal ist, unter einem rassistischen Kolonialsystem zu leben, das einen nicht als vollwertigen Menschen erachtet.

Schwestern, Brüder und Geschwister, wir kämpfen heute für die Rechte von Queeren als Teil unserer politischen, sozialen und menschlichen Rechte. Unser Kampf für die Rechte von Queeren ist mit den globalen Kämpfen für die Rechte indigener Völker, für Frauenrechte, für die Rechte rassifizierter Menschen, für Black Lives Matter und für Klimagerechtigkeit verknüpft. Wir rufen queere und LGBTQIA+ Gruppen, Aktivist_Innen und Künstler_Innen auf, die Palästinenser_Innen zu unterstützen. Das Minderste ist es, Israels Pinkwashing-Veranstaltungen zu boykottieren, wie z.B. die Tel Aviv Pride, das Tel Aviv Film Festival oder andere ähnliche Aktivitäten, die auf Pinkwashing, Artwashing oder Schönfärberei der Verbrechen Israels abzielen.

Wie im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika bitten wir euch um eure Solidarität. Die wirksamste Form der Solidarität mit unserem Befreiungskampf ist die Weigerung, unsere Unterdrücker und deren Institutionen und Aktivitäten zu vertuschen, schönzureden oder zu normalisieren. Denn diese sind Bestandteile des Systems der Besatzung, des Kolonialismus und der Apartheid.

Der Mut, den die Palästinenser_Innen im gesamten historischen Palästina bewiesen haben, inspiriert zu mutiger Solidarität in der ganzen Welt. Die Palästinenser_Innen, einschließlich derjenigen unter uns, die queer sind, fordern uneingeschränkte Rechte. Wir bitten Sie, sich mit uns zu solidarisieren und sich einzeln und gemeinsam für die Beendigung der Unterdrückung aller Palästinenser_Innen durch Israel einzusetzen.

Ursprünglich auf Englisch veröffentlicht auf XY&Z

(1) Der Begriff “Pinkwashing” bezeichnet die Strategie, durch das Vorgeben einer Identifizierung der LGBTQIA+ Community von den negativen Handlungen einer Organisation, eines Landes oder einer Regierung abzulenken. Im Zusammenhang mit LGBTQIA+ Rechten wird der Begriff verwendet, um eine Vielzahl von Marketing- und politischen Strategien zu beschreiben, die darauf abzielen, für Produkte, Länder, Personen oder Einrichtungen zu werben, indem sie sich als LGBTQIA+ freundlich darstellen und somit als fortschrittlich, modern und tolerant wahrgenommen werden.

Quelle: BDS Schweiz

A call to action from Ghadir al Shafie, the co-founder of Aswat – Palestinian Feminist Center for Sexual and Gender Freedom.